Es ist ein besonderer Glücksfall für die Stadtgeschichte Bremervördes, dass einige schriftliche Erinnerungen an einen besonderen Besuch in der Stadt an der Oste die Wirren der Geschichte überstanden haben und dann auch noch wieder zurück an den Ort des Geschehens gekommen sind.
Aber beginnen wir zunächst mit dem Zeitpunkt dieser denkwürdigen Episode, die im Jahre 1878 im ruhigen, sympathischen Landstädtchen Bremervörde stattfand. Knapp 3.000 Einwohner lebten damals einen beschaulichen Alltag und „außergewöhnliche" Ereignisse erregten daher auch „außergewöhnliche" Aufmerksamkeit.

Nun wird es aber allerhöchste Zeit, über den „Besucher" zu berichten, der einige Tage in Bremervörde weilte, aber dieser kurze Besuch sollte ausreichen, um in die Annalen Eingang zu finden. Es war Wilhelm Busch (*14.4.1832 Wiedensahl +9.1.1908 Mechtshausen), der als Maler, Zeichner, Poet und – nicht zuletzt – als Schöpfer von „Max und Moritz" in den 1870er Jahren bereits einen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, den wir heute mit dem eines Pop-Stars vergleichen würden.
Spätestens an dieser Stelle ist nun die Frage zulässig, was veranlasste diese bekannte Persönlichkeit zu einem mehrtägigen Besuch in Bremervörde?
„Dann ging's weiter bei trüber Regenstimmung durch Moor und Heide und unter Blitz und Donner nach Bremervörde hinein. Die nächste Umgebung des kleinen Städtchens, die Brücke, der Hafen, der Park mit den uralten Pappeln, hat mich sehr angenehm überrascht."

Die Hochzeit an der Oste
Nun denn – Sein Bruder Hermann Busch, der Lehrer an der Höheren Bürgerschule in Uelzen war, wollte hier Elisabeth Schönian heiraten, die hübsche Tochter des hiesigen Medizinalrates Dr. Wilhelm Schönian. Und er hatte seinen berühmten Bruder, der übrigens sein Lieblingsgeschwister war, gebeten, ihm die Ehre eines Trauzeugen zu machen. Wilhelm Busch nahm diese Einladung gerne an, wie in Briefen von ihm zu lesen ist, und machte sich Ende September 1878 auf die spannende Reise mit der Eisenbahn von Wiedensahl über Bremen bis Stubben bei Beverstedt, dem damaligen Bahnhof für Besuche in Bremervörde.

Die Ankunft im Daetz Hotel
Dann folgte eine lange und holprige Fahrt mit einer Kutsche über Beverstedt und Basdahl, ehe mehrere Hochzeitsgäste dann am späten Abend des 1. Oktober 1878 am ersehnten Ziel der Bemühungen ankamen. Wilhelm Busch und sein Bruder Hermann, der Bräutigam, und einige „VIP's" wurden im „Daetz Hotel", dem „ersten Haus am Platze" untergebracht.


Die Fahrt hierher hat er in einem Brief an eine befreundete Bremer Familie am 7. Oktober 1878 wie folgt beschrieben:
„Dann ging's weiter bei trüber Regenstimmung durch Moor und Heide und unter Blitz und Donner nach Bremervörde hinein. Die nächste Umgebung des kleinen Städtchens, die Brücke, der Hafen, der Park mit den uralten Pappeln, hat mich sehr angenehm überrascht."
Fortsetzung folgt
Umtrunk bei Mutter Diekmann
Nun ist's erstmal Schluss für heut! Heute ist nicht aller Tage… und seid gespannt auf „Umtrunk bei Mutter Diekmann", wenn die Episode I fortgesetzt wird.
Quellenangaben
© Text & Recherche
Rainer Brandt
© Fotos
Rainer Brandt · Stadthistoriker Bremervörde
