Vom ersten Scan bis zum begehbaren digitalen Zwilling: Dieser Artikel dokumentiert den gesamten Arbeitsablauf eines Matterport-Projekts – am Beispiel des Klosters Fulda mit 648 Scanpositionen.
Die Bilder zeigen den realen Produktionsprozess: Equipment, Scanarbeit vor Ort, Planung der Scanpunkte und das fertige 3D-Modell.
Ein Matterport-Rundgang entsteht durch die Kombination von Infrarot-Laserscanning und hochauflösender Fotografie. Die Matterport Pro3 erfasst pro Scanposition Millionen von 3D-Messpunkten und erstellt gleichzeitig sphärische Farbaufnahmen. Aus diesen Daten berechnet die Matterport Cloud ein zusammenhängendes, maßhaltiges 3D-Modell – den digitalen Zwilling des Gebäudes.
Das hier dokumentierte Projekt zeigt die Erstellung eines 3D-Rundgangs für das Kloster Fulda – ein historischer Gebäudekomplex mit Kirche, Kreuzgang, Innenhof, Klostergarten und zahlreichen Nebengebäuden. Mit 648 Scanpositionen gehört dieses Projekt zu den umfangreicheren Matterport-Erfassungen und zeigt, wie der Workflow auch bei komplexen Großobjekten funktioniert.
Der gesamte Prozess umfasst sieben Schritte: von der Vorbereitung des Equipments über das systematische Scannen vor Ort und die Nachbearbeitung bis zur Cloud-Verarbeitung und dem fertigen, interaktiven 3D-Modell.
Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf. Klicken Sie auf die Bilder, um sie in voller Größe zu betrachten.
Die Matterport Pro3 ist ein professioneller 3D-Scanner, der einen rotierenden Infrarot-Laser (LiDAR) mit einer hochauflösenden Kamera kombiniert. Das Bild zeigt die Kamera während eines aktiven Scans: Der blaue Lichtschein in der Mitte ist der rotierende Laser, der die Umgebung abtastet und dabei Millionen von Entfernungsmessungen pro Sekunde durchführt.
Die Kamera wird auf einem stabilen Stativ montiert und über ein iPad gesteuert. Die Matterport Capture-App zeigt in Echtzeit den Fortschritt, die bereits erfassten Bereiche und die empfohlenen nächsten Scanpositionen. Pro Scan benötigt die Kamera etwa 20–30 Sekunden für eine vollständige 360°-Erfassung.
Das systematische Scannen vor Ort ist der zeitintensivste Schritt. Die Kamera wird an jeder Position aufgestellt, der Scan gestartet und nach Abschluss zur nächsten Position getragen. Dabei ist die Reihenfolge und Abstandsplanung entscheidend: Benachbarte Scans müssen ausreichend Überlappung haben, damit die Software sie später korrekt zueinander ausrichten kann.
Die Bilder zeigen die Matterport Pro3 an verschiedenen Positionen im Kloster Fulda: im Innenhof mit Kopfsteinpflaster und historischen Fassaden, im Kreuzgang mit gotischen Bögen, in der Kirche mit Buntglasfenstern und Gewölbe, auf der erhöhten Kanzel mit Blick ins Kirchenschiff und im Klostergarten mit Kirchturm im Hintergrund.
Bei einem Objekt dieser Größe – 648 Scanpositionen – erstreckt sich die Scanarbeit über mehrere Tage. Dabei werden Innenräume, Außenbereiche, Treppenhäuser und Verbindungsgänge erfasst, um ein lückenloses 3D-Modell zu ermöglichen.
Die Screenshots aus der Matterport Capture-App zeigen die Verteilung aller 648 Scanpunkte in der Draufsicht. Jeder blaue Punkt markiert eine Scanposition. Die Nahansicht zeigt den Klosterbereich mit Innenhof und Kirche – erkennbar ist die symmetrische, gleichmäßige Anordnung der Punkte.
Die symmetrische Abarbeitung ist kein Zufall, sondern eine bewusste Strategie: Die Matterport-Software verbindet benachbarte Scans anhand überlappender Geometrie. Gleichmäßige Abstände (typischerweise 2–3 Meter in Innenräumen) stellen sicher, dass jeder Scan ausreichend Kontext zu seinen Nachbarn hat. Unregelmäßige Abstände oder fehlende Zwischenpunkte können dazu führen, dass die Ausrichtung fehlschlägt.
Die Gesamtansicht zeigt das volle Ausmaß des Projekts: Neben dem Klosterkomplex selbst wurden auch die umliegenden Gärten, Wege und Nebengebäude erfasst. Die Nummerierung der Scanpunkte (1–648) spiegelt die chronologische Reihenfolge der Erfassung wider.
Vor dem Upload in die Cloud werden drei wichtige Nachbearbeitungsschritte durchgeführt:
Fenster markieren: Der Infrarot-Laser durchdringt Glasflächen und erzeugt keine verwertbaren Tiefendaten. Durch das Markieren von Fensterbereichen in der Matterport-App weiß die Cloud-Verarbeitung, dass dort keine Geometrie erwartet wird – statt Löchern im Modell entstehen saubere, flache Fensterflächen.
Spiegel markieren: Spiegel reflektieren den Laser und erzeugen Phantom-Geometrie – die Software „sieht" einen Raum hinter dem Spiegel, der nicht existiert. Durch die Markierung werden diese Bereiche korrekt als reflektierende Oberflächen behandelt.
Modell beschneiden: Bereiche, die nicht im fertigen Rundgang erscheinen sollen – etwa Nachbargrundstücke, Baustellen oder private Bereiche – werden vor dem Upload entfernt. Das reduziert die Verarbeitungszeit und sorgt für ein fokussiertes Endergebnis.
Nach Abschluss aller Vorarbeiten werden die Scandaten in die Matterport Cloud hochgeladen. Der Upload-Umfang hängt von der Projektgröße ab: Bei 648 Scans sind es mehrere Gigabyte an Rohdaten (3D-Punktwolken + hochauflösende Farbbilder).
Die Cloud-Verarbeitung übernimmt die rechenintensive Arbeit: Ausrichtung aller Scans zueinander (Alignment), Zusammenfügen der Punktwolken zu einem zusammenhängenden Mesh, Texturprojektion der Farbdaten auf das 3D-Modell und Generierung der verschiedenen Ansichtsmodi (Dollhouse, Grundriss, Walkthrough, Messfunktion).
Die Verarbeitungsdauer variiert stark: Kleine Projekte (30–50 Scans) sind innerhalb weniger Stunden fertig. Ein Projekt wie das Kloster Fulda mit 648 Scans benötigt mehrere Tage Rechenzeit auf den Matterport-Servern. Während dieser Zeit ist keine manuelle Intervention möglich – die Verarbeitung läuft vollautomatisch.
Nach Abschluss der Cloud-Verarbeitung steht das fertige 3D-Modell zur Verfügung. Die drei Bilder zeigen verschiedene Ansichten des Klosters Fulda:
Die Dollhouse-Ansicht (erstes Bild) zeigt das gesamte Gebäude als dreidimensionales Modell schräg von oben – wie ein aufgeschnittenes Puppenhaus. Alle Räume, Gänge und Außenbereiche sind gleichzeitig sichtbar. Die Draufsicht (zweites Bild) bietet eine Vogelperspektive auf das Modell und zeigt die räumliche Anordnung aller Bereiche. Die Schrägansicht (drittes Bild) zeigt den Innenhof mit Kreuzgang und die angrenzende Kirche in einer perspektivischen Darstellung.
Neben diesen Ansichten generiert Matterport automatisch einen begehbaren Rundgang (Walkthrough), maßstabsgetreue Grundrisse und eine Messfunktion, mit der Abstände direkt im 3D-Modell gemessen werden können.
Im letzten Schritt wird das 3D-Modell mit interaktiven Infopunkten (Mattertags) angereichert. Diese können Text, Bilder, Videos oder Links enthalten und erscheinen als anklickbare Markierungen im Rundgang. Typische Anwendungen: Raumbeschreibungen, historische Informationen, Kontaktdaten oder Verlinkungen zu weiterführenden Inhalten.
Zusätzlich werden in diesem Schritt finale Anpassungen vorgenommen: Die Startposition des Rundgangs wird festgelegt, die Navigation zwischen den Bereichen optimiert und gegebenenfalls weitere Bereiche beschnitten, die in der Vorschau störend wirken. Highlight-Reels – automatisch generierte Führungen durch das Modell – können ebenfalls konfiguriert werden.
Nach der Finalisierung wird der Rundgang per Link oder Embed-Code veröffentlicht. Das Hosting erfolgt auf den Matterport-Servern – eine eigene Serverinfrastruktur ist nicht erforderlich.
Die Matterport Pro3 ist der aktuelle professionelle 3D-Scanner von Matterport und kombiniert LiDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) mit einer hochauflösenden Kamera. Der rotierende Infrarot-Laser erfasst pro Scan Millionen von Messpunkten mit einer Reichweite von bis zu 100 Metern und einer Genauigkeit im Zentimeterbereich. Gleichzeitig erstellt die integrierte Kamera sphärische Farbaufnahmen, die als Textur auf das 3D-Modell projiziert werden.
Der Workflow unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Panoramafotografie: Während bei einem klassischen 360°-Rundgang jede Position manuell fotografiert, belichtet, zusammengefügt und retuschiert wird, übernimmt bei Matterport die Kamera die Erfassung weitgehend automatisch. Die eigentliche Rechenarbeit – das Zusammenfügen der Scans zu einem 3D-Modell – findet in der Cloud statt. Der Fotograf konzentriert sich auf die strategische Planung der Scanpositionen und die Qualitätssicherung vor dem Upload.
Das Kloster Fulda ist ein Beispiel für ein Großprojekt: 648 Scanpositionen, verteilt auf Kirche, Kreuzgang, Innenhof, Klostergarten, Nebengebäude und Verbindungsgänge. Das fertige 3D-Modell ermöglicht es, das gesamte Kloster virtuell zu begehen – in der Dollhouse-Ansicht als Gesamtüberblick, im Walkthrough-Modus als interaktive Begehung oder in der Grundrissansicht als Orientierungshilfe.
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