Projektzusammenhang
Unterschiedliche Museumsaufgaben brauchen unterschiedliche digitale Ergebnisse
Unter dem Dach des Stadtmuseums Berlin treffen historische Gebäude, dauerhafte Sammlungsorte, wechselnde Ausstellungen und großformatige Vermittlungsprojekte aufeinander. Für LINSENSPEKTRUM bestand die Aufgabe deshalb nicht darin, überall dasselbe Rundgangschema einzusetzen. Jedes Teilprojekt erhielt einen eigenen Aufnahme- und Nutzungsrahmen: öffentlich freigegebene Touren für die digitale Vermittlung, räumliche Dokumentationen abgeschlossener Ausstellungszustände und eine besonders umfangreiche interne Bestandsaufnahme des Märkischen Museums.
Gemeinsam ist den Projekten der räumliche Zusammenhang. Einzelbilder zeigen Exponate, Architektur oder ausgewählte Perspektiven; sie erklären jedoch nur begrenzt, wie Räume, Ebenen und Wege miteinander verbunden sind. Ein navigierbarer Datensatz ergänzt diese Bilder um Orientierung. Besucher können freigegebene Ausstellungen selbst erkunden, während Museumsteams definierte Zustände später räumlich nachvollziehen und für Vermittlung, Abstimmung oder Dokumentation erneut heranziehen können.
Märkisches Museum
Über 10.000 m² in zwei Tagen mit der Matterport Pro3 erfassen
Die Bestandsaufnahme im Märkischen Museum war ein eigenständiges Großprojekt. LINSENSPEKTRUM dokumentierte über 10.000 m² mit fast 1.000 Scans. Als Aufnahmesystem kam die Matterport Pro3 zum Einsatz; der vereinbarte Umfang wurde innerhalb von zwei Tagen vor Ort erfasst. Damit entstand ein räumlich zusammenhängender Datensatz, der deutlich mehr vermittelt als eine Sammlung isolierter Raumfotos.
Bei fast 1.000 Scans entscheidet die Routenplanung über die Nutzbarkeit des Ergebnisses. Keller, Treppen, lange Wege, obere Ebenen und verwinkelte Übergänge müssen so verbunden werden, dass die Plattform die Positionen stabil zuordnen kann. Gleichzeitig braucht das Aufnahmeteam eine eindeutige Arbeitslogik, um in kurzer Zeit große Flächen systematisch abzudecken und bereits erfasste von noch offenen Bereichen zu unterscheiden.

Bestand vor und während einer langen Veränderungsphase nachvollziehbar halten
Das Märkische Museum befindet sich in einem langfristigen Sanierungs- und Umbauprozess. Eine räumliche Aufnahme hält den sichtbaren Zustand zu einem klaren Zeitpunkt fest und schafft damit einen gemeinsamen visuellen Bezug für spätere Gespräche. Beteiligte können auf konkrete Räume und Übergänge verweisen, auch wenn sich die Situation vor Ort inzwischen verändert hat oder ein gemeinsamer Termin kurzfristig nicht möglich ist.
Die Matterport-Erfassung ist dabei nicht automatisch mit einem präzisen technischen Aufmaß gleichzusetzen. Welche Datenprodukte, Genauigkeiten oder Planungsunterlagen aus einem Projekt entstehen, muss ausdrücklich vereinbart und geprüft werden. Der hier beschriebene Nutzen liegt in der großflächigen räumlichen Bestandsdokumentation, der nachvollziehbaren Navigation und der Möglichkeit, den aufgenommenen Gebäudestand intern ortsunabhängig einzusehen.
Separater Rundgang
4.200 m² Ausstellungszustand intern dokumentiert
Bereits 2022 entstand für das Märkische Museum ein eigener Matterport-Rundgang über 4.200 m² mit 210 Scans. Dieses Projekt ist von der späteren Pro3-Bestandsaufnahme zu trennen: Fläche, Aufnahmeumfang, Zeitpunkt und Nutzungsziel gehören zu einem anderen Datensatz. Der Rundgang verbindet die damals aufgenommenen Ausstellungsbereiche und dokumentiert deren räumliche Beziehungen im Zustand des Aufnahmejahres.
Die Tour ist nicht öffentlich zugänglich. Sie wird deshalb auf dieser Website weder verlinkt noch eingebettet. Ihre Stärke liegt in der internen Nachnutzung: Ein vergangener Ausstellungszustand bleibt als begehbare räumliche Referenz erhalten, statt nur in einzelnen Fotos weiterzuleben. Diese klare Trennung zwischen öffentlicher Vermittlung und interner Dokumentation schützt Freigaben und macht zugleich verständlich, warum beide Arten von Rundgang für Museen sinnvoll sein können.

So strukturiert LINSENSPEKTRUM komplexe Museumsprojekte
Nutzungsziel und Freigaben klären
Zu Beginn wird festgelegt, ob ein Projekt öffentlich vermitteln, intern dokumentieren oder einen Bestand für weitere Arbeitsschritte erfassen soll. Daraus folgen Zugang, Bildauswahl, Viewer und Veröffentlichungsstatus.
Aufnahmebereiche und Route planen
Gebäudestruktur, Ebenen, Besucherwege, sensible Bereiche und verfügbare Zeitfenster werden in einen realistischen Aufnahmeplan übersetzt. Bei großen Projekten braucht jeder Abschnitt einen eindeutigen Status.
System passend zum Ergebnis wählen
Öffentliche Tour, interne Dokumentation und Bestandsaufnahme stellen unterschiedliche Anforderungen. Kamera, Scandichte, Informationsinhalte und Nachbearbeitung werden deshalb nicht pauschal, sondern projektbezogen festgelegt.
Navigation und Übergabe prüfen
Nach der Verarbeitung werden räumliche Übergänge, vereinbarte Abdeckung, Startpunkte und Freigaben kontrolliert. Erst danach erfolgt die öffentliche oder interne Bereitstellung im vorgesehenen Datenweg.
Nutzen für Vermittlung
Ausstellungen ortsunabhängig und räumlich zusammenhängend vermitteln
Öffentlich freigegebene Rundgänge erlauben es Interessierten, selbst durch eine Ausstellung zu navigieren und räumliche Bezüge zu verstehen. Sie können den realen Besuch vorbereiten, Gruppen einen gemeinsamen Ausgangspunkt geben und ergänzende Informationen direkt an einer Position im Rundgang verankern. Besonders bei wechselnden Ausstellungen bleibt außerdem nachvollziehbar, wie Inhalte in ihrem ursprünglichen Raumzusammenhang präsentiert wurden.
Nutzen für Museumsteams
Dokumentation, Abstimmung und spätere Nachnutzung unterstützen
Interne Rundgänge und großflächige Bestandsaufnahmen schaffen einen teilbaren räumlichen Bezug für Personen, die nicht gleichzeitig vor Ort sein können. Sie erleichtern das Wiederfinden aufgenommener Bereiche, unterstützen die Kommunikation während längerer Projektphasen und bewahren definierte Zustände für spätere Rückblicke. Sie ersetzen keine fachplanerische Prüfung, können aber eine zusätzliche visuelle Entscheidungs- und Dokumentationsgrundlage bereitstellen.


