Wie wird ein Museum digitalisiert?
Ein Museum wird digitalisiert, indem alle Ausstellungsräume mit 360°-Kameras oder Laserscannern systematisch erfasst, die Aufnahmen zu einem navigierbaren virtuellen Rundgang zusammengesetzt und mit Infopunkten zu den Exponaten angereichert werden. Der Prozess dauert je nach Museumsgröße 1-5 Tage für die Aufnahmen und 1-2 Wochen für die Nachbearbeitung.
Warum Museen digitalisiert werden
Die Digitalisierung von Museen hat in den letzten Jahren stark zugenommen – nicht nur durch die Pandemie, sondern weil virtuelle Rundgänge einen dauerhaften Mehrwert bieten. Ein digitalisiertes Museum ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche zugänglich – unabhängig von Öffnungszeiten, Entfernung oder Mobilität der Besucher. Schulklassen können sich auf einen Besuch vorbereiten, Touristen können vorab entscheiden, ob sich ein Besuch lohnt, und Menschen mit eingeschränkter Mobilität erhalten Zugang zu Ausstellungen, die sie sonst nicht erreichen würden.
In meiner Arbeit mit Museen unterschiedlicher Größe – vom kleinen Stadtmuseum bis zum großen Landesmuseum – habe ich festgestellt, dass der virtuelle Rundgang den physischen Besuch nicht ersetzt, sondern ergänzt und fördert. Museen, die einen Rundgang online stellen, berichten häufig von steigenden Besucherzahlen, weil der virtuelle Einblick Neugier weckt.
Der Ablauf: Von der Planung bis zum fertigen Rundgang
1. Vorab-Begehung und Planung
Vor jeder Museumsdigitalisierung steht eine Begehung. Dabei kläre ich mit dem Museumsteam: Welche Räume sollen erfasst werden? Gibt es Bereiche, die nicht gezeigt werden dürfen (Depots, Restaurierungswerkstätten)? Welche Exponate benötigen besondere Beleuchtung? Gibt es empfindliche Objekte, die nicht mit Blitzlicht fotografiert werden dürfen? Welche Informationen sollen als Infopunkte integriert werden?
Aus dieser Begehung entsteht ein Aufnahmeplan: die optimale Route durch das Museum, die Anzahl der benötigten Scan-Positionen und ein Zeitplan für die Aufnahmen. Bei großen Häusern plane ich die Aufnahmen auf mehrere Tage, um die Qualität konstant zu halten.
2. Aufnahme vor Ort
Die Aufnahmen finden idealerweise außerhalb der Öffnungszeiten statt – frühmorgens, abends oder an Schließtagen. So sind keine Besucher im Bild und die Beleuchtung kann optimal eingestellt werden. Je nach Projekt setze ich unterschiedliche Technologien ein:
Matterport Pro3: Für die meisten Museen die effizienteste Lösung. Die Kamera erfasst jeden Raum in wenigen Minuten und erstellt automatisch ein 3D-Modell. Typischerweise setze ich alle 2-3 Meter eine Scan-Position – bei einem Museum mit 10 Räumen sind das 40-80 Scans, die in 3-5 Stunden erfasst sind.
DSLM-Panoramen (Sony Alpha + Nodalpunktadapter): Für Kunstmuseen und Galerien, bei denen die Bildqualität höchste Priorität hat. Jedes Panorama besteht aus 20-30 Einzelaufnahmen in verschiedenen Belichtungen (HDR), die zu einem hochauflösenden 360°-Bild zusammengesetzt werden. Zeitaufwand: 15-20 Minuten pro Position.
3. Nachbearbeitung und Zusammensetzung
Nach den Aufnahmen beginnt die Nachbearbeitung: Bei Matterport-Scans verarbeitet die Cloud-Plattform die Daten automatisch zu einem navigierbaren 3D-Modell. Bei DSLM-Panoramen werden die Einzelbilder in PTGui zu Panoramen zusammengesetzt (Stitching), farbkorrigiert und in 3DVista zu einem Rundgang verknüpft.
In dieser Phase werden auch Infopunkte gesetzt: Texte zu Exponaten, Audio-Guides, Bildergalerien oder Videos. Bei Museen arbeite ich eng mit dem Kuratoren-Team zusammen, das die Inhalte für die Infopunkte liefert. Ich integriere diese dann technisch in den Rundgang.
4. Veröffentlichung und Einbindung
Der fertige Rundgang wird auf der Museums-Website per iFrame eingebunden. Zusätzlich kann er auf Google Maps als Street View veröffentlicht werden, um die Sichtbarkeit in der Google-Suche zu erhöhen. Viele Museen nutzen den Rundgang auch für Social Media, Newsletter und Pressemitteilungen.
Typische Herausforderungen bei der Museumsdigitalisierung
Spiegelnde Vitrinen: Glasvitrinen reflektieren die Kamera und das Stativ. Bei Matterport-Scans ist das kaum vermeidbar, bei DSLM-Panoramen kann ich durch Polfilter und optimale Positionierung die Reflexionen minimieren.
Dunkle Räume: Viele Museen arbeiten mit gezielter Spotbeleuchtung auf dunklem Hintergrund. Für die Kamera ist das eine Herausforderung – HDR-Aufnahmen mit mehreren Belichtungsstufen lösen das Problem, erfordern aber mehr Zeit pro Position.
Wechselausstellungen: Museen ändern ihre Ausstellungen regelmäßig. Der Rundgang bildet immer einen bestimmten Zeitpunkt ab. Ich empfehle, die Dauerausstellung zu digitalisieren und Wechselausstellungen nur bei Bedarf zu ergänzen.
Urheberrecht: Bei Kunstwerken lebender Künstler muss das Urheberrecht beachtet werden. Nicht alle Werke dürfen in einem virtuellen Rundgang gezeigt werden. Diese Frage kläre ich vorab mit dem Museum.
Praxisbeispiele: Museen, die ich digitalisiert habe
Großes Geschichtsmuseum mit interaktiven Ausstellungsbereichen. Matterport-Erfassung der gesamten Dauerausstellung über mehrere Etagen.
Technisches Museum mit großen Hallen und schweren Exponaten. Herausforderung: Reflexionen auf Metall und Glas, große Raumhöhen.
Naturkundemuseum mit vielfältigen Ausstellungsbereichen (Tiefsee, Ostsee, Biologie). Mehrere thematische Rundgänge für unterschiedliche Sammlungsbereiche.
Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen. Fokus auf farbgetreue Wiedergabe der Kunstwerke und optimale Beleuchtung.
Welche Technologie für welches Museum?
Die Wahl der Technologie hängt vom Einsatzzweck ab. Für eine detaillierte Gegenüberstellung empfehle ich den Vergleich Matterport vs. Klassischer Rundgang. Zusammengefasst: Matterport ist schneller und günstiger, klassische DSLM-Panoramen bieten höhere Bildqualität und mehr gestalterische Freiheit. Für die meisten Museen ist Matterport die pragmatische Wahl, für Kunstmuseen mit hohen ästhetischen Ansprüchen empfehle ich DSLM-Panoramen.
Häufige Fragen zur Museumsdigitalisierung
Antworten auf die häufigsten Fragen unserer Kunden

